Die „Histaminintoleranz“ oder besser Histaminunverträglichkeit wird als vermeintliche Ursache verschiedener Beschwerden in der heutigen Bevölkerung immer häufiger. Viele Menschen mit unklaren Beschwerden finden sich, in den Beschreibungen zur Symptomatik der sogenannten Histaminintoleranz, wieder. Übrigens, man unterscheidet zwischen endogenem und exogenem Histamin.
Einerseits führen solche Ausschlussdiäten zu einer eingeschränkten Lebensqualität – meist ohne jegliche Besserung – da der Histamingehalt eines Lebensmittels nicht unbedingt viel über dessen Verträglichkeit aussagt. Anderseits – aus ganzheitlicher Sicht – sind Unverträglichkeiten meistens ein Hinweis darauf, dass andere Körperstörungen vorliegen, wie z.B. eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere.
Erfahre in den folgenden Kapiteln mehr über das Thema Histaminintoleranz.
Histamin ist eine chemische Substanz, die aus der Aminosäure Histidin entsteht und deshalb zu den biogenen Aminen (Abbauprodukte von Eiweißbestandteilen/Aminosäuren) gehört. Bereits 1911 wurde Histamin per Zufall im Mutterkorn entdeckt. Bei dessen Untersuchungen fanden Forscher heraus, dass das Mutterkorn durch histaminproduzierende Bakterien verschmutzt worden ist und somit gar kein Histamin darin enthalten war. Dieses Ergebnis ließ darauf schließen, dass Nahrungsmittel, die einen Reifungsprozess durchmachen und bei denen Bakterien eine Rolle spielen, einen auf natürliche Weise hohen Histamingehalt haben. Über Bindungen an vier verschiedenen Rezeptoren löst Histamin eine Vielfalt an Vorgängen aus, die für unseren Körper wichtig sind.
Unser Körper bildet Histamin von Mastzellen (weiße Blutkörperchen) selbst. Dabei sind die wichtigsten Funktionen von Histamin:
Meistens wird Histamin nach einer Immunreaktion freigesetzt, weshalb es zu einem Blutdruckabfall und allergischen Reaktionen wie Juckreiz oder Hautrötungen kommen kann. Doch auch über die Nahrung aufgenommenes Histamin kann zu solchen Reaktionen führen, man spricht dann von exogenem Histamin. Lebensmittel wie z.B. Rotwein oder Hartkäse haben einen besonders hohen Histamingehalt, während Histaminliberatoren, z.B. in Ananas und Schokolade aufzufinden, das Histamin im Darm freisetzen. Es gibt aber verschiedene Enzymsysteme, die dazu da sind, die sowohl von außen zugeführten als auch selbst gebildeten Amine zu kontrollieren und zu inaktivieren. So kann über die Nahrung aufgenommenes Histamin schon beim Passieren der Darmwand unwirksam gemacht werden.
Kommt es zu einer erhöhten Aufnahme von Histamin oder zu einem Versagen der Regulationssysteme, reagiert unser Körper meist mit Vergiftungserscheinungen wie z.B. Hautrötungen, Kopfschmerzen, Herzrasen, Blutdruckabfall und Durchfall. Medikamente (Chemotherapeutika, blutdrucksenkende Medikamente oder Schmerzmittel), Alkohol und eine erhöhte Aufnahme von Histamin begleitenden Diaminen (Eiweißverbindungen) beeinträchtigen die Regulationssysteme zudem ebenfalls. Auch Stress und allergische Erkrankungen führen dazu, dass unser Körper viel Histamin ausschüttet.
Wenn du empfindlich auf Histamin reagierst, wirst du vermutlich schon bei geringen Mengen des biogenen Amins einige Begleiterscheinungen spüren. Es ist jedoch schwer zu identifizieren, ob es sich um eine Unverträglichkeit (Intoleranz) handelt, oder ob die zur Histamin inaktivierenden Mechanismen einfach nicht funktionieren. Das liegt daran, dass die Symptome einer Histaminintoleranz denen einer Histaminvergiftung ähnlich sind.
Wenn wir von einer Allergie sprechen, ist immer unser Immunsystem aktiv, in dem es harmlose Stoffe als Krankheitserreger erkennt und dementsprechend behandelt. Infolgedessen werden Antiköper gegen die vermeintlichen „Eindringlinge“ gebildet, die diese sofort erkennen und ein Alarmsignal geben, sobald die unerwünschten Stoffe in unseren Organismus gelangen. Dadurch fährt das Immunsystem einen Gang hinauf und es kommt zu allergischen Reaktionen.
Eine eigenständige Histaminallergie gibt es zwar nicht, aber die Symptome ähneln der einer Histaminunverträglichkeit, da Histamin als Botenstoff an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Dennoch hat eine Histaminunverträglichkeit andere Ursachen als eine Histaminallergie. Welche Ursachen das sind, erfährst du im nächsten Abschnitt.
Wenn in deinem Körper ein Ungleichgewicht zwischen der Bildung, Zufuhr und dem Abbau von biogenen Aminen herrscht, entsteht eine Histaminunverträglichkeit. Das geschieht folgendermaßen:
Der Abbau von Histamin wird durch eine verringerte Aktivität des Histamin abbauenden Enzyms DAO verlangsamt oder vermindert und kann entweder vorübergehend oder andauernd sein. Vermutlich soll aber nicht nur das Histamin allein für die Beschwerden verantwortlich sein, sondern es spricht vieles dafür, dass das DAO hierbei eine wesentlichere Rolle spielt. In einer Studie konnte nämlich gezeigt werden, dass die Einnahme von DAO mit milden Symptomen assoziiert war, unabhängig davon, ob Histamin zugeführt wurde oder nicht. Weiterhin sollen Störungen im Magen-Darm-Trakt histaminbedingte Beschwerden begünstigen und wird mit einer erhöhten Darmdurchlässigkeit in Zusammenhang gebracht, die die Histaminaufnahme fördert.
Leider gibt es kein reines diagnostisches Verfahren, um eine Histamin-Unverträglichkeit nachzuweisen. Auch die Messung der DAO-Aktivität im Blut gibt nur unzureichend Aufschluss darüber, weil die Zusammenhänge sehr komplex sind und der DAO-Spiegel durch zum Beispiel Stress und andere Belastungen zu Schwankungen neigt. Der „Histamin 50 Prick-Test“ ist ebenfalls umstritten, da er zwar auf einen verzögerten Abbau hinweisen kann, jedoch die Übertragbarkeit auf die herabsetzende Kapazität des von außen zugeführtem Histamin nicht gegeben ist.
Um zu testen, ob du an einer Histaminintoleranz leidest, ist es daher am besten, wenn du deine Ernährungsweise beobachtest, dokumentierst und durch Provokation so genau erkennst, ob du empfindlich gegenüber Histamin reagierst oder nicht. Dafür eignet sich zum Beispiel ein Symptom- und Ernährungstagebuch sehr gut, mithilfe dessen du über mehrere Wochen alle Mahlzeiten, Getränke und mögliche Beschwerden festhalten kannst. Je häufiger nach dem Verzehren von Lebensmitteln Symptome wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall oder eine laufende Nase auftreten, desto wahrscheinlicher ist es, dass du gegen Histamin intolerant bist. Du kannst auch einen Ernährungsberater aufsuchen, der dir hierbei sehr gut beratend und unterstützend zur Seite stehen kann.
Andernfalls können Ärzte auch andere Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden (Laktose, Fruktose, Zöliakie, Reizdarmsyndrom oder Nahrungsmittelallergie) erkennen und ausschließen.
Gibt es Personen, die besonders häufig kein Histamin vertragen?
Ja, Frauen sind meist häufiger von einer Histaminintoleranz betroffen als Männer, weswegen von einem Zusammenhang zwischen Histamin und Hormonen ausgegangen wird. Das erklärt auch, wieso die Beschwerden während einer Schwangerschaft oftmals weniger werden oder ganz aufhören, da im Verlauf dreimal mehr DAO produziert wird. Nach der Geburt kommt es zu einem niedrigerem DAO-Spiegel und die Histaminunverträglichkeit kann sich möglicherweise wieder bemerkbar machen.
Insgesamt wirkt Histamin über vier verschiedene spezielle Rezeptoren, weshalb die Symptomatik sehr vielfältig ausfällt.
Histamin-Symptome sind sehr unspezifisch, was bedeutet, dass deinen Beschwerden auch viele andere Ursachen zugrunde liegen können. Wir haben dir aber ein paar übliche Symptome und Reaktionen aufgezählt, die sowohl in ihrem Ausmaß als auch in ihrer Reaktionszeit unterschiedlich stark ausfallen können. Einige Symptome treten deshalb bereits nach mehreren Minuten ein, wohingegen andere erst nach ein paar Stunden oder am Folgetag auftreten. Beachte bitte außerdem, dass der Histamingehalt in Lebensmitteln oftmals sehr unterschiedlich ist und er deshalb oft schwer zu erkennen ist. Dadurch kann es sein, dass du an manchen Tagen unterschiedlich stark oder schwach auf die gleichen Lebensmittel reagierst.
Es ist häufig sehr schwer festzustellen, welche genaue Ursache eine Unverträglichkeit gegen Histamin hat. Dadurch, dass durch unspezifische Histaminsymptome mehrere Faktoren bei der Entstehung einer Histamintoleranz eine Rolle spielen, sind nicht nur die Aufnahme einzelner histaminreicher Lebensmittel allein dafür verantwortlich, sondern auch viele weitere Ursachen möglich. Vor allem der schwankende Histamingehalt in Nahrungsmitteln spielt eine problematische Rolle in der Erkennung einer Histamintoleranz. Folgende Faktoren können dafür verantwortlich sein, dass es zu einer Unverträglichkeit von Histamin kommt:
Wie bereits erwähnt, sind nicht nur histaminreiche Lebensmittel für eine Intoleranz verantwortlich, sondern vielmehr ist es wahrscheinlich, dass das DAO-Enzym, welches das mit der Nahrung aufgenommene Histamin im Körper abbaut, nicht mehr richtig aktiv oder ausreichend vorhanden ist.
Kurzum bedeutet das also für dich: Wenn du viel Histamin zu dir nimmst, reichert sich immer mehr davon in deinem Körper an, da es nur sehr langsam abgebaut werden kann. Dies ist aber natürlich nicht von langer Dauer. Ab einer bestimmten, individuell unterschiedlichen Konzentration, treten dann histaminbedingte Symptome auf. Dieser Prozess unterscheidet eine Histaminintoleranz von einer (Nahrungsmittel-) Allergie, bei der schon kleinste Mengen schwere Reaktionen hervorrufen können. Bei einer Histmainintoleranz hingegen, hat jeder Mensch seinen eigenen persönlichen Schwellenwert. Nachdem dieser überschritten wurde, kommt es erst zu einer Symptomentwicklung.
Um die Beschwerden und Einschränkungen der Lebensqualität infolge einer Histaminunverträglichkeit langfristig zu beseitigen, solltest du nicht auf einmal die Histaminzufuhr von heute auf morgen minimieren. Das würde deine Lebensqualität durch das verfügbare Nahrungsmittelangebot zu sehr einschränken. Zudem schwanken die Histamingehalte in Lebensmittel einfach zu stark, vor allem die unterschiedlichen Verträglichkeiten in Abhängigkeit von der Nahrungsmittelauswahl- und komposition. Außerdem nehmen viele weitere Faktoren Einfluss auf deine Verdauung (Mahlzeitenabstand, Zusammensetzung der verzehrten Mahlzeit etc.), weshalb dir eine individuelle Beratung am besten dabei hilft, deine Unverträglichkeit gegen Histamin loszuwerden. In dieser ist es wichtig, dass du z.B. mit einem Ernährungsberater erstmal eine gründliche Ernährungsanamnese durchführst und anschließend der Fokus auf der Reproduzierbarkeit (Wiederholbarkeit) der auftretenden Beschwerden liegt. Ein Ernährungs- und Beschwerdetagebuch ist hier sehr sinnvoll.
In der Praxis hat sich schon oft gezeigt, dass sich eine stärke- und zuckerreduzierte, bei gleichzeitiger Gemüse-, Eiweiß- und Fettbetonter Ernährung die Beschwerden und Symptome deutlich verbessert. Vermutlich liegt das an einer veränderten Darmdurchlässigkeit, sowie einer besseren Einwirkzeit der abbauenden Enzyme und einer Veränderung der darminternen Mikrobiota. Daraus lässt sich auch schließen, dass durch den übermäßigen Verzehr von Stärke und Zucker und dessen Wirkung auf die Verdauung und die Mikrobiota, die sogenannte „Unverträglichkeit gegen Brot“ entsteht.
Auch die bereits erwähnten biogenen Amine, die den Histaminabbau verhindern oder verzögern solltest du nur dann eingeschränkt aufnehmen, wenn sich daraus ein therapeutischer Erfolg bei dir ergibt. Gleiches gilt auch für die sogenannten Histaminliberatoren (z.B. Zitrusfrüchte, Tomaten, Nüsse, Schokolade).
Wie bereits erwähnt, ist die Therapie eine Histaminintoleranz sehr individuell, weshalb der Verlauf der Behandlung ganz unterschiedlich lang dauern kann. Es gibt aber einen dreistufiges Verfahren, an das du dich gut halten kannst:
Diese 3 Verfahren bilden den erste Schritt einer erfolgreichen Behandlung gegen eine Histaminunverträglichkeit. Als weitere Therapiemöglichkeit werden oftmals auch verschiedene Medikamente wie z.B. Cetrizin eingesetzt. Solche Antihistaminika blockieren für mehrere Stunden (je nach Präparat) die Wirkung von Histamin, indem bestimmte Wirkstoffe das Histamin „überlisten“ und die Histaminrezeptoren im Körper selbst besetzen. Bei der Einnahme solcher Medikamente solltest du wissen, dass diese nur akut wirken und keine Dauerlösung sind. Versuche deshalb lieber, die genaue Ursache herauszufinden, um deine Beschwerden langfristig loszuwerden.
Histamin kommt in bestimmten Lebensmitteln durch den bakteriellen Abbau der Aminosäure Histidin vor, aber auch während Reifungs- und Fermentationsprozessen. Wenn du sensibel oder intolerant gegenüber Histamin bist, solltest du also verstärkt darauf achten, was du zu dir nimmst. Zudem gelangen über die Ernährung auch bestimmte Stoffe in unseren Körper, die eine Histamin-Ausschüttung begünstigen (Histaminliberatoren) oder das körpereigene Enzym DAO blockieren können.
Die folgenden Empfehlungen und Tipps sind nur als Orientierungshilfe für dich gedacht, um mögliche Ursachen zu erkennen. Da die Verträglichkeit bestimmter Lebensmittel von Mensch zu Mensch unterschiedlich und sehr individuell ist, solltest du weitere Therapiemaßnahmen und-möglichkeiten bitte unbedingt im Rahmen einer individuellen und ganzheitlichen Ernährungsberatung absprechen.
Einige Lebensmittel weisen einen hohen Gehalt an Histamin und anderen biogenen Aminen auf, vor allem wenn diese lange gereift oder gelagert wurden. Ganz besonders solltest du auf bestimmte Kombinationen von stark histaminhaltigen Lebensmitteln achten, wie es z.B. bei Alkohol in Verbindung mit Käse der Fall ist. Denn dann steigt der Histamingehalt in deinem Körper nochmals mehr.
Was kann ich bei einer Histaminunverträglichkeit essen?
Neben den zuvor aufgelisteten Lebensmitteln gibt es aber auch solche, die keine Symptome und Beschwerden verursachen. Allgemein empfehlen wir dir, deine Ernährung möglichst frisch, natürlich und unverarbeitet zu belassen, da Gärungs- und Fermentationsprozesse manche Lebensmittel histaminhaltiger machen.
Eine histaminarme Ernährung bildet eine Möglichkeit eine Unverträglichkeit gegen Histamin zu behandeln, um das gestörte Gleichgewicht von Histaminabbau und -aufnahme wiederherzustellen. Das hilft dir bei der Vorbeugung von Symptomen, die durch Histamin ausgelöst werden.
Histamin wird in unserem Körper hauptsächlich von zwei Enzymen abgebaut, dem DAO und dem HMNT. Vitamin B6 und Kupfer sind sogenannte Co-Faktoren der DAO und werden für den Histaminabbau zwingend gebraucht. Ob du einen Mangel an Vitamin B6 oder Kupfer hast, kannst du mittels einer Laboruntersuchung im Blut feststellen lassen. Ist dies der Fall, kann sinnvoll für dich sein, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung, ein Nahrungsergänzungsmittel zu supplementieren.
Nährstoffmängel können besonders durch Vorerkrankungen oder anderen Problematiken die allgemeine Nahrungsaufnahme und Nährstoffresorption negativ beeinträchtigen. Besonders gefährdet sind Vitamin C, D, B12, B6, Folsäure, Zink und Eisen.
Es gibt drei Nährstoffe, die bei einer Histaminunverträglichkeit wichtig sind:
Aber auch Magnesium und Calcium sind wesentlich an der Regulierung der Histaminfreisetzung beteiligt, weshalb du auch hier keinen Mangel haben sollest.
Zwar kannst du die bereits genannten Nährstoffe mit der Nahrung aufnehmen, jedoch ist das aufgrund des heutigen Nährstoffbedarfs und der -verfügbarkeit schwer. Hinzu kommt, dass aufgrund der Vermeidung von bestimmten Lebensmitteln, wie z.B. auf Zitrusfrüchte, die Aufnahme an Vitamin C nur sehr begrenzt ist. Deshalb empfehlen wir dir, die benötigen Nährstoffe über ein Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen.