Schulter Arm Nacken Syndrom

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Schulter-Arm-Syndrom – Definition

Beim Schulter-Arm-Syndrom (ICD-Code: M53.1) handelt es sich um ein sehr vielfältiges Erkrankungsbild, das aufgrund seiner vielen möglichen Symptome und Ursachen auch umfassend als Nacken-Arm-Schulter-Syndrom bezeichnet wird. Allgemein ist das Schulter-Arm-Syndrom eine Sammelbezeichnung für Beschwerden im Bereich der genannten Körperteile. Darunter fallen neben lokalen und ausstrahlenden Schmerzen auch Bewegungseinschränkungen des Kopfes und der HWS oder Missempfindungen wie Taubheitsgefühle oder Kribbeln. Das Nacken-Schulter-Arm-Syndrom (medizinisch Zervikobrachialgie oder Zervikalsyndrom) tritt unabhängig von demografischen und geschlechtsspezifischen Faktoren bei beiden Geschlechtern und in nahezu allen Altersgruppen auf. Mediziner unterscheiden hier zwischen einer akuten und einer chronischen Variante, die jeweils auf unterschiedliche Ursachen zurückgeht und eine gezielte Behandlung erfordert.

Schulter-Arm-Syndrom – Ursachen

Auslöser für das vielfältige Beschwerdebild aus zum Teil ausstrahlenden Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, neurologischen Missempfindungen und muskulären Verspannungen können unterschiedlichste Ursachen sein. Dementsprechend aufwendig gestaltet sich die Ursachenforschung für Mediziner. Nichtsdestotrotz wollen wir Dir an dieser Stelle die häufigsten Ursachen für das Schulter-Arm-Syndrom vorstellen:

Überlastung und Fehlhaltungen

Wie es auch bei vielen anderen Beschwerdebildern der Fall ist, geht auch ein gehöriger Teil der Fälle des Schulter-Arm-Syndroms auf unsere moderne Lebensweise zurück. Bewegungsmangel im Bereich des Oberkörpers führt in Kombination mit Fehlhaltungen von Kopf und Nacken häufig zum Auftreten von schmerzhaft ausstrahlenden Muskelverspannungen. Typische Ursachen sind lange Autofahrten, Fehlbelastungen im Beruf oder langes Arbeiten am Computer. Letzteres gilt vor allem für die Arbeit an einem nicht ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz sowie für die Arbeit an Tablets und Notebooks, wobei der obere Rücken und die HWS meist nach vorne eingerundet sind. Infolge einer solchen Fehlbelastung kann es passieren, dass Dein Körper den Versuch unternimmt, die Beschwerden durch die Einnahme einer sogenannten Schonhaltung zu lindern. Oftmals führt genau das aber zu einer zusätzlichen Überlastung und damit zu weiteren Schmerzen. Diesen Teufelskreis kannst Du nur mit Hilfe von aktivem Eingreifen und einer sinnvollen Prophylaxe entkommen.

Halswirbelsäulen-Arthrose

Auch degenerative Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) können zu einem Nacken-Schulter-Arm-Syndrom führen. Ursächlich für die charakteristischen Beschwerden ist in vielen Fällen eine Arthrose in der HWS, die durch andauernde Fehlbelastungen, genetische Veranlagung oder ein Trauma entstanden ist. Der Abbau bzw. Verschleiß von Knorpelflächen im Bereich der Wirbelgelenke kann in Verbindung mit der degenerativ abnehmenden Pufferfunktion der Bandscheiben zur Einklemmung oder Irritation von Nerven führen. Später kann aus der ursprünglichen Nervenirritation eine schmerzhafte Entzündung entstehen. Diese Entzündung wiederum ist ein Auslöser für schwere Verspannungen der Nackenmuskulatur und damit auch für das Nacken-Schulter-Arm-Syndrom. Als Ursache kommt die Arthrose meist aber erst bei Patienten ab dem 40. Lebensjahr infrage.

Bandscheibenvorfall

Infolge von degenerativen Prozessen, Arthrose und Fehl- bzw. Überlastung steigt auch das Risiko für einen Bandscheibenvorfall (Prolaps) oder eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) in der HWS. Dabei tritt der Gallertkern der Bandscheibe aus und übt Druck auf die Spinalnerven bzw. auf das Rückenmark aus, was ebenfalls zu den typischen Schmerzen im Bereich von Nacken, Schultern und Armen führen kann. Mehr zum Thema erfährst Du in unseren Beiträgen zum Thema Bandscheibenvorfall und Bandscheibenvorwölbung.

Ursachen im Bereich der Schulter

Die Ursachen für das Schulter-Arm-Syndrom liegen nicht nur im Bereich der HWS oder der Nackenmuskulatur, sondern oft auch im Bereich des Schultergelenks und der Rotatorenmanschette. Eine häufige Ursache ist das sogenannte Impingement-Syndrom, bei dem es infolge einer Verengung des Gelenkspalts zur Einklemmung von Gewebe zu Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Kraftverlust kommt. Ob ein Schulterimpingement die Ursache für Deinen Probleme ist, kannst Du unter anderem mit Hilfe des sogenannten „schmerzhaften Bogens“ herausfinden. Wie das funktioniert, erfährst Du in unserem Beitrag zum Thema Impingement-Syndrom der Schulter. Weitere mögliche Ursachen, die aus der Schulter herrühren, sind Schleimbeutelentzündungen, eine steife Schulter (Frozen Shoulder) oder ein Rotatorenmanschettenriss (Rotatorenmanschettenruptur) infolge von Überlastung oder einem verletzungsbedingtem Trauma.

Weitere mögliche Ursachen für das Schulter-Arm-Syndrom

Wirbelbeeinträchtigungen durch entzündliche Erkrankungen wie Rheuma Verkürzung der Muskulatur Überspannung der Muskelfaszien Knochenerkrankungen wie Osteoporose Angeborene Wirbelfehlbildungen Ein Wirbelbruch in der HWS Bakterielle Infektionen der Wirbelsäule Anhaltende starke psychische Belastung z.B. durch Stress Gutartige und bösartige Tumore, die auf die Nerven de HWS drücken

Schulter-Arm-Syndrom – Symptome

Das charakteristische Leitsymptom für das Schulter-Arm-Syndrom (ICD-Code: M53.1) sind akut oder chronisch auftretende Schmerzen, die meist lokal im Bereich der Schulter und des Nackens auftreten. In vielen Fällen strahlen die Schmerzen jedoch auch in den Rücken, die Arme und sogar bis in die Hände aus. Häufig kommt auch nächtlicher Schmerz hinzu, sofern Du Dich im Schlaf auf die betroffene Schulter drehst. Typische Anzeichen für ein Schulter-Arm-Syndrom sind etwa stechende Schmerzen beim seitlichen Abspreizen des Arms (vor allem zwischen 60 und 120 Grad) oder beim Griff zur Gesäßtasche. Bedingt durch den Schulterschmerz oder eine zugrundeliegende Entzündung innerhalb der Schulter, liegt oftmals auch eine Bewegungseinschränkung der Schulter vor. Weitere mögliche Symptome für das Nacken-Schulter-Arm-Syndrom sind: Muskelverspannungen und Muskelverhärtung im Bereich von HWS und Nacken Kopfschmerzen, die vom Nacken in den Hinterkopf ziehen Sehstörungen Gleichgewichtsstörungen Bewegungseinschränkungen des Kopfes Taubheitsgefühle, die bis in die Finger ausstrahlen können Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Fingern Einschränkung von Reflexen (sofern die HWS betroffen ist)

Schulter-Arm-Syndrom – Behandlung

Das umfangreiche Beschwerdebild zieht eine große Bandbreite an Behandlungsansätzen nach sich. Je nachdem, welche Ursache sich z.B. im Rahmen bildgebender Verfahren herauskristallisiert, sind gesonderte Therapieformen notwendig. Das ist typischerweise bei anatomischen Fehlbildungen, Bandscheibenvorfällen, Arthrose etc. der Fall. Dementsprechend ist die Konsultation eines Arztes zwecks präziser Diagnosestellung für die im Individualfall beste Therapie der Ursache dringend zu empfehlen.

Bekämpfung akuter und chronischer Schmerzen

Nichtsdestotrotz liegt der Fokus bei der Behandlung zunächst auf der Beseitigung der akuten Schmerzen. In der Regel kommen hier Schmerzmittel in Form von Salben, Cremes oder Tabletten zum Einsatz. Meist handelt es sich dabei um sognannte nicht-steroidale Antirheumatika (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure), die gleichzeitig schmerz- und entzündungslindernd wirken. Werden die Schulterschmerzen durch besonders hartnäckige Muskelverspannungen verursacht, kann Dein Arzt dir auch Medikamente zur Muskelentspannung (Muskelrelaxantien) verschreiben. Bei chronischen Schmerzen kommen hingegen lange wirksame lokale Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) zum Einsatz, die die Nerven an der Weiterleitung von Schmerzsignalen hindern.

Weitere Möglichkeiten zur Schmerzbekämpfung

Einsatz von Warm- oder Kaltluft Wärmebehandlung mit Wärmepflastern oder Rotlicht zur Entspannung Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation Salben mit Cayenne-Pfeffer als Inhaltsstoff zur Durchblutungsförderung Chirotherapie Akupunktur Entspannende Massagen Entspannende Bäder mit ätherischen Ölen

Ursachenbekämpfung durch Physiotherapie

Wenn Du das Schulter-Arm-Syndrom wirklich loswerden möchtest, dann reicht es nicht aus, bloß Symptome wie den Schmerz zu bekämpfen. Ein zentraler Weg zur Ursachenbekämpfung ist konsequente Physiotherapie, die darauf abzielt, die betroffenen Bereiche zu mobilisieren und zu kräftigen. Mit Hilfe spezieller Übungen kann so beispielsweise eine Schonhaltung und die damit einhergehende zunehmende Versteifung von Schulter und Nacken verhindert werden. Hinzu kommen Maßnahmen zur Haltungskorrektur.

So kannst Du dem Schulter-Arm-Syndrom effektiv vorbeugen

Vor allem dann, wenn keine schwerwiegendere Ursache zugrunde liegt, kannst Du die ursächlichen Verspannungen und Haltungsprobleme auch selbst in den Griff bekommen und damit sogar der Entstehung des Schulter-Arm-Syndroms vorbeugen. Folgende Maßnahmen erweisen sich als besonders hilfreich: Richte Deinen Arbeitsplatz sowohl zuhause als auch im Büro ergonomisch ein. Achte auf die richtige Einstellung des Bildschirms, die korrekte Sitzhöhe und verwende einen ergonomischen Bürostuhl. Arbeite wenn möglich zeitweise im Stehen oder nutze zumindest Deine Pausen für eine aufrechte Körperhaltung. Achte bewusst auf eine aufrechte Haltung und vermeide Fehlhaltungen. Sowohl im Sitzen als auch im Stehen gilt die Devise: Bauch rein, Brust raus. Vermeide sowohl beim Sport als auch im Alltag Fehlbelastungen wie z.B. das einseitige Tragen schwerer Taschen. Versuche negativen Stress zu vermeiden, der ebenfalls für Muskelverspannungen im Schulter- und Nackenbereich sorgen kann. Yoga kann dabei helfen, Verspannungen nachhaltig zu lösen und deren Auftreten zu verhindern. Dehne und kräftige Deine Schulter- und Rückenmuskulatur regelmäßig. Eine sehr effektive Dehnübung für die Schulter ist z.B. die folgende: Schulterdehnung an der Wand Stell Dich nah vor eine Wand oder eine sonstige gerade Fläche. Strecke Deinen rechten Arm zur Seite aus und lege diesen waagrecht an der Wand ab. Achte darauf, dass Hand, Ellenbogen und Schulter als Kontaktpunkte aufliegen. Deine Hand befindet sich auf Schulterhöhe. Drehe Deinen Oberkörper nun nach links von der Wand weg und dehne damit die Rotatorenmanschette. Führe die Rotation so weit wie möglich aus, achte aber darauf, dass Deine Schulter weiter an der Wand aufliegt. Halte die Position für 30-40 Sekunden. Wechsle anschließend den Arm. Führe mit jedem Arm 3-4 Wiederholungen aus.

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