Isg Blockade

isg blockade

ISG-Blockade – Definition

Bei einer ISG-Blockade, auch ISG-Syndrom genannt, handelt es sich um eine Erkrankung des Beckens und der unteren Wirbelsäule. Das Phänomen betrifft das sogenannte Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Iliosakralgelenk), das sich am unteren Ende der Lendenwirbelsäule befindet. Dieses setzt sich aus dem Kreuzbein (Os sacrum) und den beiden Beckenschaufeln (Os ilium) zusammen. Dementsprechend gibt es ein linkes und ein rechtes Iliosakralgelenk (ISG).

Da die Verbindung zwischen den Gelenkpartnern durch einen starken Bandapparat gesichert ist, lässt sich das Gelenk nicht aktiv bewegen und ermöglich selbst nur wenig Bewegung. Ein solches Gelenk wird in der Medizin auch als Amphiarthrose bezeichnet. Bei einer ISG-Blockade verkanten sich die Gelenkflächen, was die Beweglichkeit des Iliosakralgelenks noch weiter einschränkt und teilweise Schmerzen verursacht, die stärker als bei einem Bandscheibenvorfall sein können. Diesen Schmerzzustand infolge der mechanischen Störung des Gelenks nennt man im Volksmund ISG-Blockade.

Grundsätzlich kann die Iliosakralgelenk-Blockade sowohl bei Männern als auch bei Frauen in jedem Alter auftreten. Insbesondere im Rahmen einer Schwangerschaft treten ISG-Schmerzen jedoch besonders häufig auf. Statistisch leiden rund 70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland zumindest einmal in ihrem Leben am ISG-Syndrom.

ISG-Blockade – Ursachen

Entsprechend der zentralen Position des Iliosakralgelenks im Körper sind die möglichen Ursachen vielfältig. Das Spektrum reicht von Fehlbelastungen über Unfälle bis hin zu spezifischen Krankheiten als Auslöser.

ISG-Syndrom durch Überbelastung und Fehlbelastung

Die häufigste Ursache für Iliosakralgelenk-Schmerzen bzw. eine ISG-Blockade sind starke Zug- oder Druckbelastungen, die auf den Bandapparat des ISG einwirken. Ursächlich kann neben dem Heben und Anheben von zu schweren Gegenständen auch ein Fehltritt ins Leere sein, wie er beispielsweise beim unerwarteten Verfehlen einer Treppenstufe passiert.

Auch dauerhafte bzw. einseitige Fehlbelastung beim Sport (z.B. beim Laufen) kann infolge muskulären Ungleichgewichts zwischen der hüftstreckenden und der hüftbeugenden Muskulatur zu einer ISG-Blockade führen. Hinzu kommen weitere mögliche Belastungsfaktoren wie starkes Übergewicht, eine vorhandene Beinlängendifferenz, traumatische Verletzungen durch Unfälle sowie Operationen im Bereich der unteren Extremitäten.

Iliosakralgelenk-Blockade in der Schwangerschaft

Im Rahmen der Schwangerschaft führt die hormonelle Umstellung im weiblichen Körper zu zahlreichen Veränderungen. So kann der Hormoneinfluss zu Bindegewebsschwächen führen, die auch den Bandapparat des Iliosakralgelenks betreffen. Infolge der Lockerung verliert der Bandapparat einen Teil seiner stabilisierenden Funktion, was minimale Verschiebungen der Gelenkpartner ermöglicht. Schmerzen entstehen hier sowohl durch die ISG-Blockade an sich als auch durch die verspannte Rückenmuskulatur, die die stabilisierende Funktion des gelockerten Bandapparats übernehmen muss.

ISG-Schmerzen durch Krankheiten

Auch einige Erkrankungen können das ISG-Syndrom auslösen. Ein bekanntes Beispiel ist Morbus Bechterew, eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Beckens und der Wirbelsäule. Dabei kommt es zu Umbauprozessen an der Wirbelsäule sowie zu entzündlichen Prozessen, die wiederum dazu führen, dass sich das Iliosakralgelenk entzündet und die typischen Iliosakralgelenk-Schmerzen hervorruft.

ISG-Blockade – Symptome

Das ISG-Syndrom macht sich in der Regel durch einen ziehenden Schmerz im Bereich des Iliosakralgelenks bemerkbar. Typischerweise tritt der Schmerz einseitig auf. Sind beide Seiten des Iliosakralgelenks betroffen, zeigen sich die Schmerzen beidseitig. In einigen Fällen kann der Schmerz sogar stärker ausfallen als bei einem Bandscheibenvorfall und vom unteren Rücken aus in das Gesäß und die Beine ausstrahlen. Bewegungen wie das Vorbeugen oder das Stehen auf einem Bein führen meist zu einer Zunahme der Iliosakralgelenk-Schmerzen. Hinzu kommen oftmals Bewegungseinschränkungen beim Anziehen der Beine sowie beim Beugen des Oberkörpers.

ISG-Syndrom – Diagnose

Da die typischen Iliosakralgelenk-Schmerzen auch auf unterschiedliche andere Erkrankungen hindeuten können, ist eine ausführliche Diagnose des Arztes notwendig. Nur so lassen sich eigenständige Ursachen bzw. Krankheitsbilder wie:

Psychisch bedingte Rückenschmerzen,
Knochenbrüche (insb. Becken, Wirbel),
Infektionskrankheiten,
Bandscheibenvorfälle (Prolaps),
Bandscheibenvorwölbungen (Protrusion),
Tumore im Bereich der Wirbelsäule,
entzündliche Erkrankungen wie Morbus Bechterew

sowie Erkrankungen der Hüftgelenke (z.B. Hüftgelenksarthrose) sicher ausschließen. Neben einem eingehenden Anamnese-Gespräch steht die körperliche Untersuchung im Fokus. Verschiedene Tests wie der Druckschmerz-Test, der Patrick-Test und das Menell-Zeichen, geben Hinweise auf eine ISG-Blockade. Auch das sogenannte Vorlaufphänomen ist bei einer einseitigen ISG-Blockade ein eindeutiges diagnostisches Signal.

Ist das Iliosakralgelenk entzündet bzw. mechanisch beeinträchtigt, wird eine Seite des ISG beim Vorbeugen früher in die Beugung gezogen. Das wiederum lässt sich durch die Auflage der Daumen auf die entsprechenden Stellen am unteren Rücken durch einen erfahrenen Arzt ertasten. Bildgebende Verfahren sind daher in den meisten Fällen nicht notwendig. Ist ein Patient unter 45 und leidet an chronischen ISG-Schmerzen, ordnet der Arzt oft zudem eine zusätzliche Blutuntersuchung an, um entzündliche Erkrankungen wie Morbus Bechterew auszuschließen.

ISG-Blockade – Behandlung

Die Behandlung erfolgt in der Regel durch physiotherapeutische Maßnahmen mit speziellen Übungen zur Entlastung des Iliosakralgelenks und der Kräftigung der Rückenmuskulatur. Um die Blockade zu lösen bzw. das ISG einrenken zu können, greifen Ärzte und Physiotherapeuten auf die sogenannte Manualtherapie zurück.

Diese setzt mit der Manipulation und Mobilisation auf zwei sich ergänzende Elemente. Die hierzulande ausschließlich von Ärzten durchgeführte Manipulation übt mit Hilfe kurzer Krafteinwirkung Impulse auf das blockierte ISG aus und entspricht damit am ehesten dem sinnbildlichen ISG-Einrenken. Vor allem neu aufgetretene ISG-Blockaden werden per Manipulation behandelt. Die Mobilisation setzt hingegen auf gezielte Dehnungen, um die Beweglichkeit des betroffenen Iliosakralgelenks zu verbessern.

Infiltrations-Therapie

Insbesondere bei starken Schmerzen und beständigen Gelenkblockaden greifen Ärzte auf die Infiltrations-Therapie zurück. Dabei spritzt der behandelnde Mediziner betäubende Medikamente (Lokalanästhetika) in das Schmerzzentrum. In den meisten Fällen reicht es aus, wenn die Mittel in den Bandapparat injiziert werden. Auf diese Weise lassen sich die dortigen Schmerzrezeptoren (Nozirezeptoren) ausschalten. Alternativ kann der Arzt Schmerzmittel, entzündungshemmende Glukokortikoide (z.B. Kortison) und Lokalanästhetika auch direkt in den Gelenkspalt spritzen. Möglich ist auch eine Verödung der gereizten Nerven mit Hilfe einer Sonde.

Chirurgische Eingriffe bei Iliosakralgelenk-Schmerzen

Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen notwendig, wenn alle konservativen Therapieformen keinen Erfolg zeigen. Während früher eine Versteifung mit Schraubsystemen üblich war, können Chirurgen das Iliosakralgelenk heute mit Hilfe von speziellen Dreiecksimplantaten aus Titan stabilisieren. Das Implantat wird im Rahmen einer 30-minütigen „Schlüsselloch-Operation“ eingesetzt und verwächst innerhalb weniger Wochen mit dem umliegenden Knochen.

ISG-Schmerzen selbst lindern

Wenn Du ISG-Schmerzen selbst lindern möchtest, kannst Du auf Wärme zurückgreifen, da sich Verspannungen auf diese Weise lösen lassen. Als wirksam haben sich neben Wärmepflastern aus der Apotheke auch warme Kirschkernkissen, Wärmflaschen, Infrarotlampen und warme Bäder erwiesen. Ergänzend können nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen zur Schmerzlinderung zum Einsatz kommen. Auch regelmäßige Bewegung hilft sowohl bei der Beseitigung als auch bei der Prophylaxe des ISG-Syndroms. Beschwerdeabhängig sind Sportarten wie Schwimmen, Nordic-Walking, Radfahren, Spazierengehen oder Joggen ideal.

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