Karpaltunnelsyndrom

karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom – Definition

Das Karpaltunnelsyndrom (auch: Medianus-Kompressions-Syndrom) beschreibt eine Schädigung des sogenannten Mittelnervs in der Hand (Nervus medianus). Verursacht wird die typische Symptomatik durch die Einklemmung des Mittelnervs in einem Sehnenfach (Karpaltunnel), das sich zwischen dem Karpalband und dem Handwurzelknochen befindet. Ist dieser Karpaltunnel verengt, wird Druck auf den Nerv selbst sowie auf die Blutgefäße ausgeübt, die diesen mit Nährstoffen versorgen. Die Folge können Schmerzen, Missempfindungen und Funktionsstörungen im Bereich von Daumen, Zeuge und Mittelfinger sein. Typischerweise tritt das Karpaltunnelsyndrom bei älteren Menschen deutlich häufiger auf als bei jungen Menschen. Auch Frauen sind laut Statistik etwa drei- bis viermal häufiger betroffen als Männer. In vielen Fällen tritt das Karpaltunnelsyndrom zeitlich um mehrere Monate (manchmal auch Jahre) versetzt an beiden Händen auf. Am häufigsten ist die dominante Hand betroffen.

Karpaltunnelsyndrom – Ursachen

Die Verengung des Karpaltunnels lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Vielmehr gibt es zahlreiche Ursachen und Risikofaktoren für das Karpaltunnelsyndrom. Die wohl häufigste Ursache ist die Belastung bzw. Überlastung des Handgelenks, die zu einer Reizung führt. Rein statistisch betrachtet haben Menschen, die einer körperlichen Arbeit nachgehen, ein bis zu siebenmal höheres Risiko für die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms. Besonders gefährdet sind Berufe, die mit einer dauerhaft hohen Belastung der Handgelenke einhergehen (z.B. Landwirte, Bauarbeiter, Reinigungskräfte). Auch Arbeitstätigkeiten mit hohem Anteil an starken Vibrationen wie bei der Bedienung schwerer Maschinen können das Entstehungsrisiko erhöhen. Kaum gefährdet hingegen sind Menschen, die vorwiegend am Computer arbeiten.

Genetische Veranlagung für einen engen Karpaltunnel

Bei manchen Menschen liegt bereits von Geburt an ein signifikant erhöhtes Risiko für die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms vor. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Karpaltunnel bereits von Natur aus relativ eng ist. So kann bereits ein verhältnismäßig geringer Anlass zur Druckausübung auf den Mittelnerv damit zu den entsprechenden Symptomen führen. Diese genetische Voraussetzung ist vor allem bei Frauen gegeben, was das deutlich häufigere Auftreten erklärt. Zudem geht man in der Medizin davon aus, dass diese anatomische Engstellung des Karpaltunnels genetisch vererbbar ist. Dementsprechend ist das Risiko besonders hoch, wenn in Deiner Familie bereits mehrere Mitglieder ein Karpaltunnelsyndrom hatten bzw. haben.

Weitere Ursachen für das Karpaltunnelsyndrom

Entzündungen im Bereich des Handgelenks sind eine weitere häufige Ursache, zumal diese zu Schwellungen führen, die wiederum auf den Nerv und dessen Kapillargefäße drücken. Dazu kann es beispielsweise auch im Rahmen einer Sehnenscheidenentzündung in der Hand kommen, da sich die Sehnenscheiden ebenfalls im Karpaltunnel befinden. Auslöser für Entzündungen können zudem auch Rheuma bzw. rheumatische Erkrankungen sein. Neusten Zahlen zur Folge entwickeln 50 Prozent aller Rheumapatienten ein Karpaltunnelsyndrom. Wer unter einer chronischen Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) leidet und dementsprechend häufig zur Dialyse muss, hat ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Patienten können hier einen sogenannten Shunt-Arm an dem Arm entwickeln, der an das Dialyse-Gerät angeschlossen ist. Weitere mögliche Ursachen sind Verletzungen nahe des Handgelenks (z.B. infolge eines Handwurzelknochen- oder Speichenbruchs) sowie Wassereinlagerungen im Handgelenk, die den Karpaltunnel enger werden lassen. Mögliche Auslöser für die Wassereinlagerung sind Krankheiten wie Arthrose, Diabetes und Schilddrüsenunter- bzw. -überfunktion sowie Übergewicht. Hinzu kommen bei Frauen hormonelle Veränderungen infolge von Wechseljahren und Schwangerschaft.

Karpaltunnelsyndrom – Symptome

Das Tückische am Karpaltunnelsyndrom ist, dass es meist erst sehr spät erkannt wird, da die Symptome nur zeitweise auftreten. Die Diagnose wird daher oft erst bei dauerhaften Beschwerden gestellt. Je länger der Nerv jedoch dem Druck ausgesetzt ist, desto wahrscheinlicher wird eine dauerhafte Schädigung mit bleibenden Schäden. Daher solltest Du bereits die ersten Symptome in der Frühphase erstnehmen und Deine Beschwerden neurologisch abklären lassen.

Symptome in der Frühphase

In der Frühphase zeigt sich das Karpaltunnelsyndrom daran, dass die Hand in der Nacht öfters „einschläft“. Später jedoch entsteht aus diesem „Einschlafen“ ein starker Schmerz, der über die Hand bis hinein in den Arm und die Schulter ausstrahlt. Viele betroffene wachen mitten in der Nacht zudem mit Schmerzen in den Fingern auf oder stellen am Morgen fest, dass die Finger der Hand steif und angeschwollen sind. Die typischen Schmerzen treten zudem bei besonderer Belastung z.B. bei handwerklichen Tätigkeiten oder beim Putzen auf. Typisches Symptom sind Missempfindungen an der Handfläche sowie am Daumen, dem Mittelfinger und dem Zeigefinger, da diese Bereiche vom Mittelnerv versorgt werden. Meist beginnen die Missempfindungen mit einem leichten Kribbeln der Handfläche, das sich mit zunehmendem Fortschreiten auf die Finger ausdehnt. Ergänzt wird diese Symptomatik durch eine Verschlechterung des Tastsinns. Hast Du beispielsweise Probleme damit, filigrane Gegenstände zu nutzen oder ein Hemd zuzuknüpfen, ist das ein deutliches Warnsignal, das Du ernst nehmen solltest.

Symptome in der Spätphase

In der Spätphase nimmt die Intensität der Schmerzen zu. Anders als in der Frühphase ist die Schmerzentwicklung nicht mehr zwangsweise mit einer bestimmten Tätigkeit verbunden. Oft treten die Beschwerden plötzlich und ohne direkt nachvollziehbaren Grund auf. Auch die neurologischen Symptome verstärken sich mit der Zeit. Infolge der zunehmenden Nervenschädigung nimmt das unangenehme Kribbeln ab. Dieses wird jedoch durch eine weitgehende Gefühllosigkeit samt dem Verlust der Sensibilität ersetzt. Im schlimmsten Fall kann es gar zu einer Lähmung der Finger kommen. Hat das Karpaltunnelsyndrom dieses Stadium erreicht, sind Nervenschädigungen oft nicht mehr rückgängig zu machen. Lebenslange Sensibilitätseinschränkungen oder gar Lähmungen sind die Folge. Sichtbar wird das Fortschreiten des Karpaltunnelsyndroms auch anhand des Muskelabbaus am Daumen. Durch die mangelhafte Ansteuerung bildet sich die Muskulatur schrittweise zurück, sodass am Daumenballen eine deutliche Delle entsteht (Daumenballenatrophie). Der Muskelabbau schränkt die Funktion des Daumens ein und sorgt beispielsweise dafür, dass dieser nicht mehr abgespreizt werden kann.

Karpaltunnelsyndrom-Selbsttest

Wenn Du den Verdacht hast, dass Du ein Karpaltunnelsyndrom entwickelst, kannst Du Deinen Verdacht mit einem Selbsttest untermauern. Geläufig sind hier der Phalen-Test, der Flaschen-Test und der Hoffmann-Tinel-Test. Insbesondere, wenn die Testergebnisse auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten, solltest Du dringend einen Arzt aufsuchen, um Spätfolgen zu verhindern. Phalen-Test: Beuge Dein Handgelenk, so weit Du kannst, nach innen. Sofern sich binnen 60-90 Sekunden die zuvor geschilderten Symptome (Missempfinden, Schmerzen etc.) zeigen, deutet das auf ein Karpaltunnelsyndrom hin. Flaschen-Test: Versuche eine Flasche zu umfassen. Insbesondere bei einem fortgeschrittenen Karpaltunnelsyndrom ist das nicht möglich, da Du den Daumen nicht mehr abspreizen kannst. Gerade jetzt ist es höchste Zeit, einen Neurologen aufzusuchen. Hoffmann-Tinel-Test: Strecke die betroffene Hand aus und klopfe mit Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand in Höhe des Karpaltunnels auf die Innenseite des betroffenen Handgelenks. Treten Beschwerden wie Kribbeln oder Schmerzen auf, deutet der Selbsttest darauf hin, dass der Mittelnerv eingeklemmt ist.

Karpaltunnelsyndrom – Behandlung

Eine Behandlung (insbesondere chirurgisch) ist nur bei starken und langanhaltenden Beschwerden notwendig. In der Regel reicht es aus, wenn Du zunächst versuchst, die betroffene Hand vor Überlastung zu schonen. Zur Unterstützung der Schonung dient eine Handgelenksschiene. Je nach Intensität der Beschwerden kannst Du diese zeitweise den ganzen Tag tragen. In der Regel reicht es jedoch aus, wenn Du die Schiene nachts anlegst. Hintergrund ist die Tatsache, dass viele Menschen ihre Handgelenke gerade im Schlaf unwillentlich stark nach innen beugen und damit großen Druck auf den Mittelnerv ausüben. Wird die Druckbelastung sowohl tags als auch nachts reduziert, heilt das Karpaltunnelsyndrom meist von ganz allein aus. Zur Schmerzbekämpfung kommen klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol zum Einsatz. Bei entzündlichen Ursachen erfolgt die Behandlung indes mit sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatikern wie Diclofenac, die gleichzeitig schmerz- und entzündungshemmend wirken. Unterstützend kannst Du auch auf kinesiologische Tapes zurückgreifen. Wie Du ein solches Tape bei einem Karpaltunnelsyndrom anlegst, erfährst Du im Internet. Am besten lässt Du Dir das korrekte Anlegen des Tapes zumindest beim ersten Mal jedoch von einem professionellen Physiotherapeuten zeigen.

Wann ist eine Operation notwendig?

Eine operative Behandlung ist oftmals vor allem im fortgeschrittenen Stadium notwendig. Das ist dann der Fall, wenn Du nachts starke Schmerzen hast, die Leitungsgeschwindigkeit des Mittelnervs deutlich abgenommen hat oder die Taubheitsgefühle in der betroffenen Hand dauerhaft anhalten. Auch wenn die konservative Therapie binnen vier Wochen nicht zu einer deutlichen Besserung der Symptome führt, ist eine Operation ratsam. In der Regel wird der Eingriff im Rahmen einer sogenannten „Schlüsselloch-OP“ durchgeführt, wobei der Chirurg das Karpalband durchtrennt, das den Karpaltunnel einschnürt. In manchen Fällen wird auch Gewebe aus dem Sehnenfach entnommen, um den Nerv zu entlasten und den Sehnen eine höhere Bewegungsfreiheit zu geben.

So kannst Du dem Karpaltunnelsyndrom vorbeugen

Da die Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms langwierig sein kann, solltest Du der Entstehung möglichst vorbeugen. Selbst bei einem bereits von Natur aus engen Karpaltunnel können die folgenden Maßnahmen das Risiko deutlich reduzieren: Fördere die Durchblutung mit Hilfe von regelmäßigen Massagen der Hand und des Handgelenks. Führe regelmäßig Fingergymnastik (drücken, drehen und spreizen) durch. Lege öfter Pausen ein, wenn Deine Hände z.B. berufsbedingt hohen Belastungen ausgesetzt sind. Verwende einen Handtrainer, mit dem Du die Muskulatur der Hand und der Finger trainieren kannst. Zeigt sich im Bereich des Handgelenks bzw. der Hand eine Entzündung, kannst Du diese mit Kälte lindern. Leidest Du unter Verspannungen in der Hand, den Handgelenken oder dem Unterarm, kannst Du diese mit einer Wärmebehandlung (z.B. Wärmekissen, Rotlicht etc.) lösen.

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