Hypermobilität

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Hypermobilitätssyndrom – Definition

Beim Hyperbeweglichkeitssyndrom (auch: Überbeweglichkeitssyndrom) handelt es sich um eine rheumatische Erkrankung, die mit angeborenen Störungen im Bindegewebe einhergeht. Das Hypermobilitätssyndrom (HMS) führt zu einer ungewöhnlich starken Beweglichkeit der Gelenke, wobei sowohl einzelne Gelenke als auch der gesamte Gelenkapparat des Körpers nebst der Wirbelsäule betroffen sein können. Ebenfalls betroffen sein können Sehnen, Muskeln und Weichteile. Diese Überbeweglichkeit führt oftmals zu einer mangelnden Stabilität der Gelenke sowie zu Schmerzen am Bewegungsapparat, die mit zunehmendem Alter stärker werden können. Frauen sind statistisch drei- bis fünfmal öfter betroffen als Männer.

Hypermobilitätssyndrom – Ursachen

Grundsätzlich sind rund 20 Prozent aller Kinder von Geburt an vom Hypermobilitätssyndrom betroffen. Diese Überbeweglichkeit geht auf die Beschaffenheit des noch in der Entwicklung befindlichen Bewegungsapparats zurück, bildet sich jedoch bis zur Pubertät weitgehend zurück. Bleibt die Hypermobilität über die Pubertät hinaus erhalten, spricht man vom Hypermobilitätssyndrom, wobei die Ausprägung unterschiedlich sein kann. Die Ursachen für die Entstehung der Bindegewebsschwäche im Rahmen des Hypermobilitätssyndroms sind aktuell noch nicht vollständig geklärt. Aktuellen Ergebnissen zur Folge liegt die Annahme nahe, dass ein Problem mit einem bestimmten Proteinkörper (Kollagen) vorliegt. Dieses Kollagen sorgt in unserem Organismus eigentlich für die Stabilisierung und Festigkeit unserer Gelenke und unseres Bindegewebes. Aufgrund der angeborenen Störung kann sich das stabilisierende Bindegewebe nicht richtig entwickeln und weißt eine dementsprechende Schwäche auf.

Hypermobilitätssyndrom – Symptome

Das augenfälligste Symptom des Hypermobilitätssyndroms ist die Überbeweglichkeit einzelner Gelenke, eines Großteils aller Gelenke oder gleich aller Gelenke des Körpers. Wie stark das HMS ausgeprägt ist, hängt vom Grad der Überbeweglichkeit ab. Um eine globale Hypermobilität zu erkennen, zieht man in der modernen Medizin unter anderem den Beighton Score als Screening Test heran. Je mehr Punkte Du in diesem Test erreichst, desto stärker ist das HMS ausgeprägt. Du kannst mit Deinem Daumen den Unterarm berühren (1 Punkt pro Seite) Du kannst das Grundgelenk des Kleinen Fingers auf über 90 Grad überstrecken (1 Punkt pro Seite) Du kannst Dein Kniegelenk um mehr als 10 Grad überstrecken (1 Punkt pro Seite) Du kannst Deinen Ellenbogen um mehr als 10 Grad überstrecken (1 Punkt pro Seite) Du erreichst mit Deinen Handflächen problemlos den Boden bei durchgedrückten Knien (1 Punkt) Bei einem Ergebnis von 0-2 Punkten liegt keine Hypermobilität vor. Hast Du 3-4 Punkte erreicht handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine moderate Hypermobilität. Bei mehr als 5 Punkten handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine generalisierte Hypermobilität. Zu der offensichtlichen Überbeweglichkeit kommen oftmals auch Schmerzen am Bewegungsapparat. Diese treten insbesondere nach größerer Belastung auf und verschlimmern sich meist im Verlauf des Tages, was an der Dauerbelastung der Gelenke über den Tagesablauf liegt. Gerade beim Sport kommt es im Nachhinein zu Schmerzen, wobei die Bewegung selbst oft ohne Schmerzen vonstattengeht. Neben Knie- und Hüftschmerzen sind Rückenschmerzen besonders häufig. Je nach Ausprägung kommt eine ganze Palette an möglichen Symptomen hinzu, die oftmals nur bei einem Bruchteil aller Betroffenen auftreten: Allgemein geringe körperliche Belastbarkeit Oft mehrere Regenerationstage nach moderater Belastung Beckenbodenschwäche Neigung zu Blutergüssen Erhöhtes Risiko für Leistenbrüche Neigung zu Divertikeln (in höherem Alter) Chronische Kopfschmerzen Plattfüße Bandscheibenprotrusionen Hohes Risiko für HWS-Distorsion Heißhunger auf salziges Essen Nervöse vegetative Verstimmungen Niedriger Blutdruck

Hypermobilitätssyndrom – Behandlung

Die Therapie des Hypermobilitätssyndroms ist eine schwierige Angelegenheit und hängt in ihrer Ausprägung von der Intensität der Beschwerden ab. Rein medizinisch ist in schwereren Fällen oft lediglich die Linderung der Schmerzen möglich, um so die Erholung des Körpers von Belastungen überhaupt zu ermöglichen und die Lebensqualität zu steigern. In manchen Fällen kommen ergänzend Manschetten, Binden und Bandagen zum Einsatz, die die Gelenke zumindest zeitweise stabilisieren und damit die Überstreckung unmöglich machen. Für die dauerhafte Besserung ist allerdings die Kräftigung der Muskulatur unabdingbar, um die Gelenke und die Wirbelsäule zu entlasten. Bei einem Hypermobilitätssyndrom ist Sport also nicht nur möglich, sondern auch nötig.

Dinge, die Du vermeiden solltest

Vorsicht ist beim Heben, Ziehen und Schieben schwerer Lasten geboten. Vermeide exzessives Dehnen, vor allem in den Hypermobilitätsbereich hinein. Achte darauf, dass Du Ellenbogen und Kniegelenke nicht durchdrückst. Vermeide Sportarten mit kräftigen, abrupten Bewegungen und schnellen Richtungswechseln (z.B. Sprungsportarten, Fußball, Squash, Kontaktsportarten) Sei vorsichtig bei Massagen sowie Mobilitsations- und Entspannungstherapien und sprich diese mit Deinem Arzt ab, da diese Behandlungen kontraproduktiv sein können.

Sport und Krafttraining mit HMS

Führe ein Krafttraining mit leichten Gewichten im moderaten Wiederholungsbereich durch. Achte darauf, dass Du jede Übung 8-12-mal schmerzfrei ausführen kannst. Steigere die Trainingsintensität und das Trainingsgewicht vorsichtig. Erhöhe das Trainingsgewicht erst, wenn Du bei jeder Übung mindestens 15 saubere und schmerzfreie Wiederholungen schaffst. Stabilisiere Deine Handgelenke beim Training mit passenden Bandagen (Orthesen), um Überlastung und Schmerzen zu vermeiden. Trainiere lieber 4-5-mal pro Woche für 30 Minuten als einmal pro Woche für 2 Stunden. Stabilisierende Übungen sind erfolgversprechend. Beginne Dein Training zunächst mit Maschinen und wechsle erst später bzw. unter Anleitung eines Gesundheitstrainers oder Physiotherapeuten zu freien Gewichten. Schwimmen, Laufen und Radfahren kann ebenfalls förderlich sein. Achte lediglich darauf, dass die Ausführung nicht mit Gelenkschmerzen verbunden ist. Je nach Beschwerdebild, ist die vorherige Absprache mit einem Arzt sinnvoll.

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