Kalkschulter

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Was ist eine Kalkschulter?

Bei der Kalkschulter (auch: Tendinosis calcarea) handelt es sich um keine Schulterverletzung im eigentlichen Sinne, sondern um eine Kalkablagerung im Schultergelenk bzw. den umgebenden Schultersehnen. Diese Kalkdepots lagern sich häufig an einer besonderen Gruppe von Schultermuskeln, der sogenannten Rotatorenmanschette an. Am häufigsten finden sich die Ablagerungen in Form von Kaliumsalzen an der Supraspinatussehne.

Schätzungen zu Folge ist jeder zehnte Deutsche im Laufe seines Lebens von der Kalkschulter betroffen, wobei aber nur jeder Zweite tatsächlich Beschwerden wie Schmerzen entwickelt. Typischerweise tritt die Kalkschulter im Alter von 30 bis 50 gehäuft auf. Frauen sind häufiger von einer Kalkschulter betroffen als Männer.

Kalkschulter – Ursachen

Die Kalkschulter ist keine typische degenerative Erscheinung wie etwa Arthrose. Nichtsdestotrotz entwickelt sie sich schleichend in mehreren Phasen. Daher hat die Entwicklung einer Kalkschulter in vielen Fällen eine lange Vorgeschichte. Meist steht die Entwicklung im Zusammenhang mit Unfällen, die mitunter viele Jahre zurückliegen.

Auch körperliche Arbeit, Überlastung der Schultersehnen, intensiver bzw. professionell betriebener Sport, Stürze, Sehnenentzündungen sowie vorangegangene Risse der Schultersehne können einen Einfluss auf die Herausbildung einer Kalkschulter haben. Diabetes-Patienten, die auf eine Insulin-Dauertherapie angewiesen sind, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für die Verkalkung der Schulter. Nichtsdestotrotz gehen Mediziner aktuell davon aus, dass der Hauptrisikofaktor eine schlechte Durchblutung des lokalen Sehnengewebes ist.

Die 3 Stadien der Kalkschulter

Unabhängig von der letztendlichen Ursache, die sich meist aus mehreren Faktoren zusammensetzt, verläuft die Kalkschulter in mehreren typischen Phasen. Wie schnell diese Phasen durchlaufen werden oder ob, das nächste Stadium überhaupt erreicht wird, ist im Einzelfall verschieden.

Phase: Infolge der (wie auch immer verursachten) lokalen Minderdurchblutung der Schultersehne findet eine Zellumwandlung statt. Hierbei baut der Körper gesundes Sehnengewebe zu Faserknorpel um. Tückisch ist hier besonders, dass dieser Prozess durch Röntgen nicht zu erkennen ist.

Phase: Nachfolgend lagert der Körper in das „absterbende“ Gewebe der Sehne Kalk ein. Abhängigkeit von der Intensität der Kalkablagerung ist auch das Anschwellen der Sehne möglich.In diesem Stadium ist die Kalkschulter mit bildgebenden Verfahren sichtbar zu machen.

Phase: In der dritten Phase kommt es infolge der Verkalkung zu einem erhöhten Druck auf Schleimbeutel und Sehnen unterhalb des Schulterdachs. Das wiederum führt durch die zunehmende Enge zu schmerzhaften Reizungen und Entzündungen (Schulterimpingement).

Phase: Nach der entzündlichen Phase lösen sich die Kalkdepots unter dem Schulterdach in vielen Fällen von allein wieder auf. Im Anschluss sind weitgehende Schmerzfreiheit und die normale Beweglichkeit oft wieder hergestellt. Wann und ob der natürliche Selbstheilungsprozess überhaupt von allein Eintritt bzw. wie lang die Heilungsdauer ist, hängt vom Einzelfall ab.

Kalkschulter – Symptome

Das Tückische an der Tendinosis calcarea ist, dass sie zunächst völlig symptomlos verläuft. Umfang und Intensität der Symptome hängen zudem von der Größe und der Lage des Kalkdepots ab. Typisch für die Kalkschulter sind plötzlich auftretende massive Schulterschmerzen, die durchaus eine bis zwei Wochen anhalten können.

Ursächlich für den Schmerz ist dabei nicht der Kalk selbst, sondern die Reizung der Schleimbeutel und des umliegenden Gewebes. Charakteristischerweise wird der moderate Ruheschmerz bei Bewegung der Schulter stärker. Das gilt vor allem, wenn Du Arbeiten überkopf ausführst. Abhängig von der Position der Kalkablagerungen können die Schmerzen ausgehend von der Schulter in den Oberarm, den Unterarm und sogar in die Hand ausstrahlen.

Auch das Liegen auf der betroffenen Schulter verursacht bei vielen Betroffenen Schmerzen. Hinzu kommt insbesondere bei sehr raumgreifenden Ablagerungen eine stark eingeschränkte Bewegungsunfähigkeit. Insbesondere das Anheben und seitlich Abspreizen ist kaum mehr möglich.

Kalkschulter – Behandlung

Da der Körper den Kalk im Rahmen der Selbstheilung meist selbst wieder loswird, muss eine Kalkschulter in vielen Fällen gar nicht im klassischen Sinne behandelt werden. In solchen Fällen reicht es aus, die Schmerzen und die Entzündung zu lindern. Gerade bei Schmerzen ist der Einsatz von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) empfehlenswert.

Dabei handelt es sich um Wirkstoffe wie Diclofenac und Ibuprofen, die Schmerzen lindern und gleichzeitig die Entzündung bekämpfen. Bei stärkeren Beschwerden kann Dein Arzt auch ein lokal wirksames Schmerzmittel direkt in die Schulter spritzen. Hinzu kommen weitere Therapieansätze wie die durchblutungsfördernde Stoßwellentherapie, die entzündungshemmende Röntgenschwachbestrahlung oder regelmäßige Physiotherapie.

Die besten Übungen gegen Deine Kalkschulter

Nur, weil Du einer Kalkschulter nicht vorbeugen kannst, heißt das noch lange nicht, dass Du nicht selbst auch etwas dagegen tun kannst. Ehrlicherweise ist Dein Verhalten sogar absolut entscheidend für die Heilungsdauer. So kannst Du beispielsweise auf Apfelessig, Quarkwickel, Retterspitz und gezielte Kühlung zurückgreifen, um die Beschwerden zu lindern.

Auf die Wärmebehandlung solltest Du allerdings besser verzichten, da die Wärme die entzündlichen Prozesse in Deiner Schulter fördern kann. Auf die Frage Bewegung oder Ruhe können wir ebenfalls ganz klar antworten: Das richtige Rezept lautet moderate Bewegung. Ideal sind in der Akutphase physiotherapeutische Übungen, welche die Kraft sowie die Beweglichkeit der Schulter trainieren und Deinen Körper dabei unterstützen, den „eingebauten“ Kalk abzubauen.

Übung 1 – Schulterdehnung

Begib dich auf alle Viere.
Positioniere Deine Hände leicht nach vorne ausgestreckt auf Stirnhöhe.
Achte darauf, dass sich Deine abgespreizten Daumen berühren können.
Zwischen Deinen Knien sollte eine Hand breit Abstand sein.
Beuge nun Deinen Oberkörper ausschließlich aus der Schulter heraus nach unten. Deine Oberschenkel bleiben dabei senkrecht. Auch die Arme bleiben durchgestreckt.
Tauche so tief ab, wie Du kannst, bis Du eine deutliche Dehnung in der Schulter spürst.
Halte die Position für 15-20 Sekunden und kehre anschließend in die Ausgangsposition zurück.
Wiederhole die Übung 5-6-mal.

Übung 2 – Arm hinter den Kopf führen

Strecke Deinen Arm senkrecht nach oben.
Winkle Deinen Ellenbogen an und führe Deinen Unterarm hinter den Kopf in Richtung Nacken.
Lege Deine Hand flach auf Deinen Rücken und zieh mit Deiner freien Hand leicht an Deinem Ellenbogen, um die Dehnung zu verstärken.
Halte die Position für 15-20 Sekunden.
Führe die Übung 5-6-mal aus.

Übung 3 – Isometrische Kräftigung der Schultermuskulatur

Stell Dich vor einen Türrahmen und winkle Deinen Ellenbogen im 90-Grad-Winkel an.
Lege Deinen Handrücken an die Türzarge und halte Deinen Oberarm eng am Körper.
Drücke nun mit Deiner Handfläche für 15-20 Sekunden gegen den Türrahmen.
Führe auch diese Übung 5-6-mal pro Schulter aus.

Wann ist eine operative Therapie notwendig?

Eine Operation ist glücklicherweise nur in wenigen Fällen notwendig. Nur bei besonders hartnäckigen Kalkdepots und erfolgloser konservativer Behandlung macht eine operative Therapie zur Entfernung der Kalziumphosphat-Depots Sinn. Im Rahmen einer minimalinvasiven Operation entfernt der Operateur mit einem Schnitt den Kalk aus der Sehne und saugt diesen ab. In den meisten Fällen kann die Operation sogar ambulant und ohne Vollnarkose durchgeführt werden.

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