Verstauchung

verstauchung

Verstauchung – Definition

Unter einer Verstauchung (auch: Distorsion) versteht man eine Verletzung eines Gelenks. Im Rahmen der Verstauchung kommt es durch eine Krafteinwirkung zu einer Verletzung der Gelenkkapsel oder der Bänder des betreffenden Gelenks. In der Regel geht eine Verstauchung auf die Verdrehung eines Gelenks zurück, wobei die stabilisierenden Bänder oder die Gelenkkapsel über ihren eigentlichen Belastungsspielraum hinaus gedehnt werden. Da der Übergang zwischen dem, was wir als leichte Verstauchung verstehen, einer Bänderdehnung und einem Bänderriss fließend sind, klassifizieren Mediziner die Verstauchung wie folgt: Distorsion 1. Grades: Hierbei handelt es sich um die klassische Verstauchung. Diese geht mit einer Überdehnung der Bänder einher. Zu strukturellen Schäden oder einer Instabilität im Gelenk kommt es nicht. Distorsion 2. Grades: Durch eine starke Gewalteinwirkung kommt es zur starken Überdehnung der Bänder. Möglich sind auch strukturelle Schädigungen wie der Riss von Blutgefäßen oder der Teilriss eines bzw. mehrerer Bänder. Eine Gelenkinstabilität liegt noch nicht vor. Distorsion 3. Grades: Bei der Distorsion dritten Grades kommt es zum Riss eines oder mehrerer Bänder. Hinzu kommt eine merkliche Gelenkinstabilität. Hier handelt es sich um den klassischen Bänderriss mit spezifischen Symptomen wie starken Schwellungen, Blutergüssen und Funktionseinschränkungen. Die Verstauchung gehört zu den häufigsten Sportverletzungen und kann prinzipiell an allen Gelenken vorkommen. Am häufigsten sind das Knie und das Sprunggelenk betroffen. Gleich darauf folgen Verstauchungen der Finger und des Handgelenks. Verstauchungen von Hüfte, Schulter oder Ellenbogen dagegen treten kaum auf. Eine Sonderform der Verstauchung ist die sogenannte Halswirbeldistorsion. Diese entsteht klassischerweise bei einem Autounfall durch die starken Brems- und Beschleunigungskräfte im Rahmen eines Schleudertraumas.

Verstauchung – Ursachen

Ursächlich für die Verstauchung ist die Überdehnung der stabilisierenden Gelenkstrukturen durch eine äußere Krafteinwirkung. Am häufigsten sind Sportunfälle die Ursache für eine Verstauchung an Knie, Fuß, Handgelenk und Fingern. Möglich sind auch Stürze im Alltag bzw. Autounfälle im Spezialfall der Halswirbeldistorsion. Je nach betroffenem Körperteil kommen unterschiedliche Verletzungsmechanismen zum Tragen. Ein zusätzlicher Risikofaktor sind Sportarten mit sich häufig ändernden Bewegungsabläufen wie Squash, Fußball, Handball, Tennis oder Volleyball. Sportarten mit gleichmäßigen Bewegungsmustern wie Radfahren oder Laufen bergen ein nur geringes Risiko.

Ursachen für eine Verstauchung am Fuß

Der häufigste Auslöser für die klassische Verstauchung des Sprunggelenks ist das Umknicken. Betroffen ist in den meisten Fällen das Außenband durch das Umknicken nach außen. Dazu kommt es beispielsweise, wenn Du Dich auf unebenem Boden vertrittst, Du nach einem Sprung nicht sauber landest oder Du bei einer Kontaktsportart Gegnerkontakt am Innenknöchel hast, während Dein Fuß noch am Boden fixiert ist. Zur Verstauchung im Bereich des Innenknöchels kommt es, wenn Dein Sprunggelenk durch eine Gewalteinwirkung nach innen umknickt. Allerdings ist dieser Verletzungsmechanismus deutlich seltener. Besonders häufig trifft es Frauen, die hochhackige Schuhe mit sehr schmalen Absätzen tragen.

Ursachen für eine Verstauchung am Knie

Klassische Verstauchungen der Knie im Sinne der erstgradigen Distorsion sind seltener als Verstauchungen am Fuß. Meist kommt es durch einen Gegnerkontakt beim Fußball oder American Football dazu, dass das Innen- oder Außenband des Knies leicht gedehnt wird. Im Alltag ist das Ausrutschen auf nassem oder losem Boden die häufigste Ursache für eine einfache Verstauchung. Bei größerer Gewalteinwirkung kommt es meist mindestens zu einer echten Bänderdehnung (Distorsion 2. Grades).

Ursachen für eine Verstauchung an Fingern und Handgelenk

Die Verstauchung des Handgelenks und der Finger ist eine klassische Sturzverletzung. Dieses Verletzungsmuster tritt am häufigsten beim Sport auf, ist jedoch auch im Alltag alles andere als selten. Gerade am Handgelenk kommt es durch unkontrollierte Abfangbewegungen oft zu einer schmerzhaften Verstauchung. Besonders gefährdet sind im Übrigen Radfahrer, Inlineskater und Skifahrer. Zu Verstauchungen an Daumen und Fingern kommt es bei Stürzen deutlich seltener. Lediglich bei weitgehend unkontrollierten Unfallmechanismen wie einem Fahrradsturz mit hoher Geschwindigkeit (insbesondere im Gelände) ist das Risiko erhöht. Häufiger betroffen sind dagegen etwa Basketball- oder Handballspieler. Trifft der Ball mit hoher Geschwindigkeit beispielsweise auf einen gestreckten Finger, kommt es beinahe zwangsläufig zur Verstauchung. Bei höherer Krafteinwirkung ist auch eine Bänderdehnung, ein Kapselriss oder ein Bänderriss möglich.

Verstauchung – Symptome

Unabhängig davon, wo die Distorsion auftritt, kennzeichnet sie sich durch unmittelbar einsetzende Schmerzen im Bereich der überdehnten Struktur. Häufig kannst Du das betroffene Gelenk auch nicht mehr richtig oder nur unter Schmerzen bewegen. Bei einer Distorsion ersten Grades, also der klassischen Verstauchung, kommt es meist nur zu einer geringfügigen Schwellung. Oft bleibt diese aber komplett aus. Auch zu einem Bluterguss, der durch Schäden an Blutgefäßen entsteht, kommt es bei der erstgradigen Distorsion nur in den seltensten Fällen. Der Schmerz und die Bewegungseinschränkung nehmen bereits nach den ersten Stunden merklich ab. Nach einigen Tagen sind die Symptome in der Regel komplett verschwunden. Bestehen auch nach einer oder zwei Wochen noch Bewegungseinschränkungen und starke Schmerzen, könnten doch weitere Strukturen verletzt sein. In einem solchen Fall ist ein Arztbesuch ratsam.

Verstauchung – Behandlung

Eine einfache Verstauchung kannst Du sehr effektiv in Eigenregie mit Hilfe des PECH-Konzepts behandeln. Dieses Konzept solltest Du aber auch unabhängig davon möglichst im Rahmen jeder Gelenkverletzung anwenden. Auf diese Weise kannst Du weitere Verletzungen verhindern und den Heilungsverlauf gleich von Beginn an positiv beeinflussen.

So funktioniert das PECH-Konzept

P (Pause): Um weitere Verletzungen des Gelenks zu verhindern, solltest Du jegliche sportliche Aktivität sofort unterbrechen. Auf den Alltag übertragen bedeutet das, dass Du die betroffene Extremität entlastest, so gut es geht. E (Eis): Sofortige Kühlung ist auch bei einer einfachen Verstauchung ohne strukturelle Verletzungen wichtig. Die Kälte bewirkt, dass sich die Gefäße in der betroffenen Region zusammenziehen. Damit kannst Du einer Schwellung vorbeugen und gleichzeitig den Schmerz bekämpfen. Kühle das verstauchte Gelenk alle 2-3 Stunden für jeweils 15-20 Minuten mit einem Kühl-Pack oder einem Eisbeutel. Achtung: Das Eis gehört nicht auf die blanke Haut! C (Compression): Übe mit Hilfe eines Druckbands oder einer Bandage Druck auf das Gelenk aus. Auf diese Weise wird das Gelenk stabilisiert und vor weiteren Schäden geschützt. Zudem beugt der Druck ebenfalls der Bildung von Schwellungen vor. H (Hochlagern): Das Hochlagern dient bei einer einfachen Verstauchung hauptsächlich der Schonung des verstauchten Gelenks. Sollte sich dennoch eine leichte Schwellung bilden, kann die Flüssigkeit so aber ebenfalls einfacher abfließen.

Verstauchungen vorbeugen: So geht’s!

Verstauchungen (vor allem solche des Sprunggelenks) lassen sich allgemein nur schwer verhindern. Mit einigen einfachen Tipps kannst Du allerdings das Risiko deutlich senken. Und das sowohl im Alltag als auch beim Sport. Trage festes Schuhwerk, das Deine Knöchel abdeckt. Das gilt vor allem beim Wandern oder beim Sport. Verzichte auf das Tragen hochhackiger Schuhe mit schmalen Absätzen. Da Übergewicht ein Risikofaktor für Verletzungen der unteren Extremitäten im Alltag und beim Sport ist, senkt das Abnehmen auch das Risiko für eine Verstauchung. Verstauchungen der Handgelenke beim Inlineskaten kannst Du mit speziellen Handgelenksprotektoren vorbeugen. Durch regelmäßiges moderates Dehnen hältst Du Deine Bänder und allgemein Deine Gelenke elastisch. Nutze beim Sport Tapes oder Bandagen, um vor allem Sprunggelenke, Handgelenke und Finger besser vor Verstauchungen zu schützen. Tapes für die Finger sind bei Fußballtorhütern und Handballspielern ebenso verbreitet wie Fuß- und Kniebandagen bei Volleyballern. Auch regelmäßiges Koordinationstraining z.B. mit der Koordinationsleiter kann Deinem Körper dabei helfen, die Kommunikation zwischen Gehirn und Bewegungsapparat zu verbessern, sodass Dein Körper in vielen Fällen noch reflexartig gegensteuern kann, bevor es zur Verstauchung kommt.

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